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HANSJÖRG LEICHSENRING: “ICH GLAUBE AN EINE ZUKUNFT DES BEZAHLENS MIT DEM MOBILTELEFON.”
october 2011 by matthiasfromm
Hansjörg Leichsenring, leidenschaftlicher Banker und Blogger, spricht mit Oliver Gassner über die Innovations(un)freude im Finanzsektor, über Paypal und Bitcoins sowie über seine Sicht auf die Occupy-Bewegung.
Oliver Gassner: Guten Tag Herr Leichsenring. Wären Sie so nett, sich unseren Lesern kurz vorzustellen?
Hansjörg Leichsenring: Hallo Herr Gassner, gerne: 51 Jahre alt, gelernter Banker mit über 30 Jahren Erfahrung im Bankbereich und aktuell Berater, Blogger mit noch ein paar anderen Aufgaben und Themen.
OG: Was sind da die Beratungsthemen, die Banken aktuell interessieren bzw. die Sie abdecken?
HL: Ich berate klassische Unternehmensstrategie mit einem besonderen Fokus auf Retail Banking und Vertriebsstrategie. Aktuell spreche ich mit Bankern viel über Innovation, Social Media und besseren Kundenservice.
OG: Sie hatten ja einen Blogeintrag, in dem Sie erklären, warum Innovation im Banking nicht der zentrale Punkt ist. Könnten Sie Ihr wesentliches Argument kurz zusammenfassen?
HL: Banken sind von Natur aus risikoscheu. Das Management von Risiken ist ja auch eine der “natürlichen” Aufgaben einer Bank. Leider betrachten (die meisten) Banker Neuerungen vornehmlich aus dieser Risikowarte, das führt dann meist zu einer Innovationsvermeidungsstrategie.
OG: Aber dann haben Sie ja doch noch innovative Bankangebote gefunden. Welche der prämierten Ansätze haben Sie am meisten beeindruckt oder erstaunt?
HL: Mich begeistern Innovationen, die am Kundennutzen aufsetzen und damit Banken tatsächlich eine wirkungsvolle Möglichkeit zur Differenzierung geben. Persönliches Finanz Management ist hierfür ein gutes Beispiel (auch wenn ich da natürlich “vorbelastet” bin). Hier ist eine echte Win-Win-Situation gegeben, bei der Kunden und Bank etwas von einer Neuerung haben.
OG: Was unterscheidet eigentlich eine gute Idee von einer echten Innovation?
HL: Steve Jobs hat ja davon gesprochen, dass man nichts erfinden, sondern nur gut beobachten und dann noch besser kopieren und adaptieren muss. Die Innovation ist die Umsetzung einer guten Idee. Ideen gibt es viele, aber sie auf den Markt und an den Kunden zu bringen, das verbinde ich mit Innovation.
OG: Aktuell richtet sich ja die Wut der Straße gegen die Banken. Sind die Forderungen der Occupy-Bewegung gerechtfertigt? Muss sich etwas ändern?
HL: Nein und Ja: Die Wut müsste sich meines Erachtens mehr gegen die Politiker als gegen die Banken richten, da diese anscheinend nicht in der Lage sind, über die nächste Wahl hinaus zu denken und lieber dem Populismus verfallen als die vorhandenen Probleme richtig anzupacken. Die Staatsverschuldung ist nicht durch Banken verursacht. Und dass Banken ihre Handlungsspielräume ausnutzen ist nicht neu, aber durchaus legitim. Aufgabe der Politik ist es, Missbräuche zu verhindern und dies möglichst proaktiv. Das ist der Politik nicht gelungen.
Aber auch Banken müssen etwas ändern: Sie riskieren seit einigen Jahren ihren guten Ruf und das über Jahrzehnte aufgebaute Vertrauen bei den Kunden. Und das nur wegen vermeintlich höherer Gewinnanforderungen der Kapitalmärkte, die ich so pauschal gar nicht zu erkennen vermag. Da muss auch ein Umdenken stattfinden…
OG: Die einen sagen: Kundengeschäft und Investmentbanken trennen. Jemand anders sagte mir kürzlich, Kreditgeschäft und Handel müssten auseinanderdividiert werden, weil für Kredite deutlich strengere Regeln gelten. Was wäre Ihr Ansatz?
HL: Zu meiner Studienzeit ist der damalige Glass Steagel Act in den USA gefallen. Damals gab es ja die strikte Trennung in Investment Banking und Commercial Banking. Wir Europäer haben immer argumentiert, dass unser System der Universalbanken besser sei, da die Risiken sich auf mehere Töpfe verteilen. Das sehe ich im Prinzip immer noch als richtig an. Allerdings sollte man Finanztransaktionen zukünftig konsequenter und höher mit Eigenkapital unterlegen müssen. Wichtig ist ein gemeinsames konzertiertes Vorgehen aller Länder.
OG: Welche Personen sind für Sie aktuell die kreativsten im Web- und Mobile-Bereich – gerne eingeschränkt auf “Banking”. Und weshalb?
HL: Meinen Sie Personen oder Firmen?
OG: Bevorzugt Personen, notfalls: Firmen.
HL: Bei Firmen würde ich Apple und Google international ganz vorne sehen, was die Kreativität im Mobile-Bereich angeht. Immer wieder neue Ideen, die sich am Kundennutzen orientieren. Bezogen auf’s Banking sehe ich PayPal als Vorreiter an. Die kombinieren sehr geschickt Payment, Rabatte und lokalisierte Angebote und sind dabei sehr pragmatisch.
OG: Paypal war ja massiv in der Kritik, weil sie beispielsweise Wikileaks das Konto gekündigt haben, obwohl in keinem Land ein Verfahren eröffnet war. Diaspora – eine Alternative zu Facebook und Google+ – hat wohl ihr Paypalkonto erst letzte Woche wieder freigeschaltet bekommen. Muss Paypal eine Bank-”Polizei spielen”?
HL: Jede (seriöse) Bank auf der ganzen Welt spielt ständig Polizei für die Staaten, wenn es um Themen wie Geldwäsche oder KYC (Know your customer) geht. Das ergibt sich aus den aufsichtsrechtlichen Pflichten. Als US-Bank müssen Sie vielleicht manchmal etwas mehr tun, wie im Fall PayPal. Darüber kann man sicherlich streiten. Grundsätzlich hat aber jede Bank die Möglichkeit, sich von Kunden auch mal zu trennen.
OG: Was wird sich in Gesellschaft, Web und Mobile die nächsten zwei, fünf, zehn Jahre ändern was unser Geld angeht? Komplett mobiles Bezahlen ohne Bankkarten? Virtuelle Währungen wie Bitcoins? Gar Wörgl-Freigeld für alle? Brechen alle großen Währungen zusammen – wie manche im Jahresrhythmus voraussagen? Oder kommt mit dem Aufstieg der Piraten gar das bedingungslose Grundeinkommen und krempelt den Arbeitsmarkt und das Steuersystem um?
HL: Es wird auch in ein paar Jahren immer noch wichtig für Kunden sein, das eigene Geld einer Bank anzuvertrauen. Insofern dürfte es spannend sein zu sehen, ob neue Marktteilnehmer auf Kooperationen mit Banken setzen oder eigene Institute aufmachen. Ich persönlich glaube an eine Zukunft des Bezahlens mit dem Mobiltelefon. Karten werden irgendwann „out“ sein. Aber die Transformation wird nicht von heute auf morgen erfolgen, so wie hierzulande auch der Euroscheck nur allmählich verschwand. An einen Währungszusammenbruch glaube ich nicht. An “freie” Währungen auch nicht. Das Beispiel bitcoins hat ja gezeigt, dass da ganz schnell Spekulanten den Ton angeben. Da ist mir staatliche Aufsicht doch lieber und sicherer. Die Piraten müssen wohl erst mal eine eigene Meinung zu vielen, gerade auch wirtschaftlichen Themen entwickeln. Transparenz ist gut und wichtig, ist jedoch eine Rahmenbedingung und kein Patentlösungsrezept. Allerdings wird damit (genau wie durch die Grünen) sicherlich wieder Bewegung in die Politik kommen. Und ein Umkrempeln des Steuersystems ist sicherlich schon lange geboten…
OG: Ist das Modell der Grundeinkommen-Leute denkbar: alle Subventionen und Steuervergünstigungen abschaffen und stattdessen 50% Umsatzsteuer? Natürlich graduell eingeführt mit wachsendem Grundeinkommen?
HL: Wohl kaum. Eine höhere Umsatzsteuer belastet ja vor allem kleinere Einkommen. Aber man sollte sich mal an Modelle à la Kirchhoff und Merz zurückerinnern. Die Abschaffung von Subventionen und Steuervergünstigungen wäre ebenfalls hilfreich. Man muss halt mal weg von der Lobbypolitik aber das setzt natürlich auch das entsprechende Fachwissen bei den Politikern voraus…
Sozialstaat ist eine tolle Sache. Ich bin auch ein Anhänger der sozialen Marktwirtschaft. Manchmal denke ich aber, Ludwig Erhard würde sich im Grab umdrehen, wenn er sehen könnte, was die Politik daraus gemacht hat. Wir brauchen dringend mehr Eigenverantwortung. Der Staat hat primär eine subsidiäre Aufgabe und kann nicht jeden einzelnen “retten”.
OG: Gut, über kompetente Politiker reden wir nicht hier – Und zum Abschluss: Was ist eigentlich das größte Missverständnis von Nicht-Bankern gegenüber Banken?
HL: Dass alle Banker dröge, humorlose Zahlenmenschen sind. Viele wohl schon, aber längst nicht alle. Die meisten sind ganz normale Menschen.
OG: In diesem Sinne: Vielen Dank für das Interview!
HL: Ich bedanke mich bei Ihnen!
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Oliver Gassner: Guten Tag Herr Leichsenring. Wären Sie so nett, sich unseren Lesern kurz vorzustellen?
Hansjörg Leichsenring: Hallo Herr Gassner, gerne: 51 Jahre alt, gelernter Banker mit über 30 Jahren Erfahrung im Bankbereich und aktuell Berater, Blogger mit noch ein paar anderen Aufgaben und Themen.
OG: Was sind da die Beratungsthemen, die Banken aktuell interessieren bzw. die Sie abdecken?
HL: Ich berate klassische Unternehmensstrategie mit einem besonderen Fokus auf Retail Banking und Vertriebsstrategie. Aktuell spreche ich mit Bankern viel über Innovation, Social Media und besseren Kundenservice.
OG: Sie hatten ja einen Blogeintrag, in dem Sie erklären, warum Innovation im Banking nicht der zentrale Punkt ist. Könnten Sie Ihr wesentliches Argument kurz zusammenfassen?
HL: Banken sind von Natur aus risikoscheu. Das Management von Risiken ist ja auch eine der “natürlichen” Aufgaben einer Bank. Leider betrachten (die meisten) Banker Neuerungen vornehmlich aus dieser Risikowarte, das führt dann meist zu einer Innovationsvermeidungsstrategie.
OG: Aber dann haben Sie ja doch noch innovative Bankangebote gefunden. Welche der prämierten Ansätze haben Sie am meisten beeindruckt oder erstaunt?
HL: Mich begeistern Innovationen, die am Kundennutzen aufsetzen und damit Banken tatsächlich eine wirkungsvolle Möglichkeit zur Differenzierung geben. Persönliches Finanz Management ist hierfür ein gutes Beispiel (auch wenn ich da natürlich “vorbelastet” bin). Hier ist eine echte Win-Win-Situation gegeben, bei der Kunden und Bank etwas von einer Neuerung haben.
OG: Was unterscheidet eigentlich eine gute Idee von einer echten Innovation?
HL: Steve Jobs hat ja davon gesprochen, dass man nichts erfinden, sondern nur gut beobachten und dann noch besser kopieren und adaptieren muss. Die Innovation ist die Umsetzung einer guten Idee. Ideen gibt es viele, aber sie auf den Markt und an den Kunden zu bringen, das verbinde ich mit Innovation.
OG: Aktuell richtet sich ja die Wut der Straße gegen die Banken. Sind die Forderungen der Occupy-Bewegung gerechtfertigt? Muss sich etwas ändern?
HL: Nein und Ja: Die Wut müsste sich meines Erachtens mehr gegen die Politiker als gegen die Banken richten, da diese anscheinend nicht in der Lage sind, über die nächste Wahl hinaus zu denken und lieber dem Populismus verfallen als die vorhandenen Probleme richtig anzupacken. Die Staatsverschuldung ist nicht durch Banken verursacht. Und dass Banken ihre Handlungsspielräume ausnutzen ist nicht neu, aber durchaus legitim. Aufgabe der Politik ist es, Missbräuche zu verhindern und dies möglichst proaktiv. Das ist der Politik nicht gelungen.
Aber auch Banken müssen etwas ändern: Sie riskieren seit einigen Jahren ihren guten Ruf und das über Jahrzehnte aufgebaute Vertrauen bei den Kunden. Und das nur wegen vermeintlich höherer Gewinnanforderungen der Kapitalmärkte, die ich so pauschal gar nicht zu erkennen vermag. Da muss auch ein Umdenken stattfinden…
OG: Die einen sagen: Kundengeschäft und Investmentbanken trennen. Jemand anders sagte mir kürzlich, Kreditgeschäft und Handel müssten auseinanderdividiert werden, weil für Kredite deutlich strengere Regeln gelten. Was wäre Ihr Ansatz?
HL: Zu meiner Studienzeit ist der damalige Glass Steagel Act in den USA gefallen. Damals gab es ja die strikte Trennung in Investment Banking und Commercial Banking. Wir Europäer haben immer argumentiert, dass unser System der Universalbanken besser sei, da die Risiken sich auf mehere Töpfe verteilen. Das sehe ich im Prinzip immer noch als richtig an. Allerdings sollte man Finanztransaktionen zukünftig konsequenter und höher mit Eigenkapital unterlegen müssen. Wichtig ist ein gemeinsames konzertiertes Vorgehen aller Länder.
OG: Welche Personen sind für Sie aktuell die kreativsten im Web- und Mobile-Bereich – gerne eingeschränkt auf “Banking”. Und weshalb?
HL: Meinen Sie Personen oder Firmen?
OG: Bevorzugt Personen, notfalls: Firmen.
HL: Bei Firmen würde ich Apple und Google international ganz vorne sehen, was die Kreativität im Mobile-Bereich angeht. Immer wieder neue Ideen, die sich am Kundennutzen orientieren. Bezogen auf’s Banking sehe ich PayPal als Vorreiter an. Die kombinieren sehr geschickt Payment, Rabatte und lokalisierte Angebote und sind dabei sehr pragmatisch.
OG: Paypal war ja massiv in der Kritik, weil sie beispielsweise Wikileaks das Konto gekündigt haben, obwohl in keinem Land ein Verfahren eröffnet war. Diaspora – eine Alternative zu Facebook und Google+ – hat wohl ihr Paypalkonto erst letzte Woche wieder freigeschaltet bekommen. Muss Paypal eine Bank-”Polizei spielen”?
HL: Jede (seriöse) Bank auf der ganzen Welt spielt ständig Polizei für die Staaten, wenn es um Themen wie Geldwäsche oder KYC (Know your customer) geht. Das ergibt sich aus den aufsichtsrechtlichen Pflichten. Als US-Bank müssen Sie vielleicht manchmal etwas mehr tun, wie im Fall PayPal. Darüber kann man sicherlich streiten. Grundsätzlich hat aber jede Bank die Möglichkeit, sich von Kunden auch mal zu trennen.
OG: Was wird sich in Gesellschaft, Web und Mobile die nächsten zwei, fünf, zehn Jahre ändern was unser Geld angeht? Komplett mobiles Bezahlen ohne Bankkarten? Virtuelle Währungen wie Bitcoins? Gar Wörgl-Freigeld für alle? Brechen alle großen Währungen zusammen – wie manche im Jahresrhythmus voraussagen? Oder kommt mit dem Aufstieg der Piraten gar das bedingungslose Grundeinkommen und krempelt den Arbeitsmarkt und das Steuersystem um?
HL: Es wird auch in ein paar Jahren immer noch wichtig für Kunden sein, das eigene Geld einer Bank anzuvertrauen. Insofern dürfte es spannend sein zu sehen, ob neue Marktteilnehmer auf Kooperationen mit Banken setzen oder eigene Institute aufmachen. Ich persönlich glaube an eine Zukunft des Bezahlens mit dem Mobiltelefon. Karten werden irgendwann „out“ sein. Aber die Transformation wird nicht von heute auf morgen erfolgen, so wie hierzulande auch der Euroscheck nur allmählich verschwand. An einen Währungszusammenbruch glaube ich nicht. An “freie” Währungen auch nicht. Das Beispiel bitcoins hat ja gezeigt, dass da ganz schnell Spekulanten den Ton angeben. Da ist mir staatliche Aufsicht doch lieber und sicherer. Die Piraten müssen wohl erst mal eine eigene Meinung zu vielen, gerade auch wirtschaftlichen Themen entwickeln. Transparenz ist gut und wichtig, ist jedoch eine Rahmenbedingung und kein Patentlösungsrezept. Allerdings wird damit (genau wie durch die Grünen) sicherlich wieder Bewegung in die Politik kommen. Und ein Umkrempeln des Steuersystems ist sicherlich schon lange geboten…
OG: Ist das Modell der Grundeinkommen-Leute denkbar: alle Subventionen und Steuervergünstigungen abschaffen und stattdessen 50% Umsatzsteuer? Natürlich graduell eingeführt mit wachsendem Grundeinkommen?
HL: Wohl kaum. Eine höhere Umsatzsteuer belastet ja vor allem kleinere Einkommen. Aber man sollte sich mal an Modelle à la Kirchhoff und Merz zurückerinnern. Die Abschaffung von Subventionen und Steuervergünstigungen wäre ebenfalls hilfreich. Man muss halt mal weg von der Lobbypolitik aber das setzt natürlich auch das entsprechende Fachwissen bei den Politikern voraus…
Sozialstaat ist eine tolle Sache. Ich bin auch ein Anhänger der sozialen Marktwirtschaft. Manchmal denke ich aber, Ludwig Erhard würde sich im Grab umdrehen, wenn er sehen könnte, was die Politik daraus gemacht hat. Wir brauchen dringend mehr Eigenverantwortung. Der Staat hat primär eine subsidiäre Aufgabe und kann nicht jeden einzelnen “retten”.
OG: Gut, über kompetente Politiker reden wir nicht hier – Und zum Abschluss: Was ist eigentlich das größte Missverständnis von Nicht-Bankern gegenüber Banken?
HL: Dass alle Banker dröge, humorlose Zahlenmenschen sind. Viele wohl schon, aber längst nicht alle. Die meisten sind ganz normale Menschen.
OG: In diesem Sinne: Vielen Dank für das Interview!
HL: Ich bedanke mich bei Ihnen!
october 2011 by matthiasfromm
Julian Assanges Auftritt bei der Medienwoche
september 2011 by matthiasfromm
Julian Assange hat heute bei der Medienwoche in Berlin eine Keynote gehalten – der elektronischen Fußfessel geschuldet allerdings nur per Videoschaltung.
Dabei galt ein strenges Verbot für Audio- oder Video-Aufnahmen. Trotzdem wurde uns über düstere Kanäle eine Aufnahme zugespielt, bei der die Tonqualität allerdings etwas geliten hat.
In den letzten Tagen wurde Wikileaks bekanntlich wieder kontrovers in den Medien diskutiert, es gab also einige Punkte, zu denen er Stellung nehmen musste:
Die Entscheidung, die ungefilterten Depeschen zugänglich zu machen rechtfertigte er damit, dass sie ohnehin bereits in Umlauf waren, also niemand mehr zusätzlich gefährdet wurde. An der Arbeit Wikileaks’ werde sich durch diesen Vorfall nichts ändern. Er bestätigte indirekt, dass es sich um eine Flucht nach vorn handelte:
Es gibt nichts, was wir hätten anders machen können
Da die betroffenen US-Quellen ein Jahr Zeit hatten, um sich vorzubereiten und in dieser Zeit auch von amerikanischen Behörden gewarnt wurden, glaubt er nicht, dass durch die Veröffentlichung jetzt noch großer Schaden angerichtet weerden könnte. Dafür, dass die Depeschen überhaupt in Umlauf gekommen waren, machte er den Guardian verantwortlich, der das Vertrauen Wikileaks missbraucht habe. Weil der Guardian generell schlecht arbeite, wolle man aber sowieso nicht mehr mit dieser Redaktion zusammenarbeiten.
An Medienpartnerschaften wolle man generell festhalten, auch wenn traditionelle Medien sich eher auf Schlagzeilen, als auf ausführliche Aufklärung konzentrieren.
Genrell begrüße er alle möglichen neuen Leaking-Sites überall auf der Welt, die nun Wikileaks’ Ideal folgen – mit dem dezenten Hinweis, dass OpenLeaks nicht in Betrieb ist und auch noch nichts publiziert hat. Auch warf er indirekt Daniel Domscheit-Berg (einen Individuum in Berlin) vor, Journalisten auf den Zusammenhang zwischen Guardian-Passwort und Datei aufmerksam gemacht zu haben.
Abschließend machte Assange auf seine internationale Verfolgung – auch australische Geheimdienste gingen nun gegen ihn vor – und die Verstrickung von Finanzindustrie, Militär, Politik und Geheimdiensten aufmerksam:
Sie können Geld an den Ku-Klux-Klan überweisen, aber nicht an uns, eine Organisation, die sich für die freie Meinungsäußerung engagiert.
Auch die schlechte Presse, die Wikileaks seit der Passwort-Affäre hat, kritisierte er:
Die traditionellen Medien kritisieren Wikileaks so heftig, weil sie neidisch sind und die Fakten nicht kennen
Zuletzt wies er auf die Gefahr hin, dass Wikileaks durch mangelnde finanzielle Mittel praktisch durch Bankrott zensiert werden könnte und rief dazu auf, das zu verhindern.
Mehr von der Keynote hat Doktordab getwittert – und hier gibt es die besagte Aufnahme.
Update: Das Aufnahmeverbot rührte daher, dass N24 die Satellitenschaltung gesponsort – und dafür die Exklusivrechte für die Übertragung gesichert hatte. Die Rechte an der Assange-Keynote liegen ausschließlich beim Management von Julian Assange, das deshalb alle Aufnahmen verbieten lassen hat. N24 hat sich um die Auswertungsrechte der Keynote bemüht und die Erlaubnis bekommen, diese auf N24.de zu veröffentlichen. Nur die Rechte an dem Interview liegen bei N24.
Deshalb gibt es die Keynote jetzt dort zu sehen. Und hier das anschließende Interview.
Digitalkultur
wikileaks
from google
Dabei galt ein strenges Verbot für Audio- oder Video-Aufnahmen. Trotzdem wurde uns über düstere Kanäle eine Aufnahme zugespielt, bei der die Tonqualität allerdings etwas geliten hat.
In den letzten Tagen wurde Wikileaks bekanntlich wieder kontrovers in den Medien diskutiert, es gab also einige Punkte, zu denen er Stellung nehmen musste:
Die Entscheidung, die ungefilterten Depeschen zugänglich zu machen rechtfertigte er damit, dass sie ohnehin bereits in Umlauf waren, also niemand mehr zusätzlich gefährdet wurde. An der Arbeit Wikileaks’ werde sich durch diesen Vorfall nichts ändern. Er bestätigte indirekt, dass es sich um eine Flucht nach vorn handelte:
Es gibt nichts, was wir hätten anders machen können
Da die betroffenen US-Quellen ein Jahr Zeit hatten, um sich vorzubereiten und in dieser Zeit auch von amerikanischen Behörden gewarnt wurden, glaubt er nicht, dass durch die Veröffentlichung jetzt noch großer Schaden angerichtet weerden könnte. Dafür, dass die Depeschen überhaupt in Umlauf gekommen waren, machte er den Guardian verantwortlich, der das Vertrauen Wikileaks missbraucht habe. Weil der Guardian generell schlecht arbeite, wolle man aber sowieso nicht mehr mit dieser Redaktion zusammenarbeiten.
An Medienpartnerschaften wolle man generell festhalten, auch wenn traditionelle Medien sich eher auf Schlagzeilen, als auf ausführliche Aufklärung konzentrieren.
Genrell begrüße er alle möglichen neuen Leaking-Sites überall auf der Welt, die nun Wikileaks’ Ideal folgen – mit dem dezenten Hinweis, dass OpenLeaks nicht in Betrieb ist und auch noch nichts publiziert hat. Auch warf er indirekt Daniel Domscheit-Berg (einen Individuum in Berlin) vor, Journalisten auf den Zusammenhang zwischen Guardian-Passwort und Datei aufmerksam gemacht zu haben.
Abschließend machte Assange auf seine internationale Verfolgung – auch australische Geheimdienste gingen nun gegen ihn vor – und die Verstrickung von Finanzindustrie, Militär, Politik und Geheimdiensten aufmerksam:
Sie können Geld an den Ku-Klux-Klan überweisen, aber nicht an uns, eine Organisation, die sich für die freie Meinungsäußerung engagiert.
Auch die schlechte Presse, die Wikileaks seit der Passwort-Affäre hat, kritisierte er:
Die traditionellen Medien kritisieren Wikileaks so heftig, weil sie neidisch sind und die Fakten nicht kennen
Zuletzt wies er auf die Gefahr hin, dass Wikileaks durch mangelnde finanzielle Mittel praktisch durch Bankrott zensiert werden könnte und rief dazu auf, das zu verhindern.
Mehr von der Keynote hat Doktordab getwittert – und hier gibt es die besagte Aufnahme.
Update: Das Aufnahmeverbot rührte daher, dass N24 die Satellitenschaltung gesponsort – und dafür die Exklusivrechte für die Übertragung gesichert hatte. Die Rechte an der Assange-Keynote liegen ausschließlich beim Management von Julian Assange, das deshalb alle Aufnahmen verbieten lassen hat. N24 hat sich um die Auswertungsrechte der Keynote bemüht und die Erlaubnis bekommen, diese auf N24.de zu veröffentlichen. Nur die Rechte an dem Interview liegen bei N24.
Deshalb gibt es die Keynote jetzt dort zu sehen. Und hier das anschließende Interview.
september 2011 by matthiasfromm
Der Fall Assange: Gefallener Engel oder Phönix aus der Asche?
september 2011 by matthiasfromm
Julian Assange Wandgemälde (Foto: Abode of Chaos; Quelle: Flickr CC-BY-2.0)
Er ist eine der kontroversesten Figuren des letzten Jahres: Wikileaks-Gründer Julian Assange polarisiert wie kaum ein anderer. Für die einen immer noch der Ritter der Wahrheit und Kämpfer gegen Verschwörungen, hat er dagegen das Vertrauen fast aller verloren, die einst mit ihm eng zusammen arbeiteten. Heute spricht Assange auf einem Medienkongress im Rahmen der IFA.
Wenn Assange am Vormittag auf der IFA Medienwoche via Liveschaltung per Satellit eine Keynote hält (“Die Zukunft der digitalen Öffentlichkeit: Über Transparenz und was diese für die Welt bedeutet”) und anschließend von der Journalistin Melinda Crane interviewt wird, wird es nach den Entwicklungen der letzten Tage eher darum gehen, was diese Transparenz für Assage und sein Projekt bedeutet. Dabei kann man sich einer Sache gewiss sein: Das Publikum wird entweder für oder gegen ihn sein.
Besonders ehemalige Medienpartner von Wikileaks lassen derzeit kein gutes Haar an Assange. Nach der Veröffentlichung aller unredigierten US-Botschaftsdepeschen am Freitag Abend distanzierten sich die (ehemaligen) Medienpartner “Guardian”, “New York Times”, “Le Monde”, “El País” sowie “Der Spiegel” vom Handeln Assanges. Die Veröffentlichung sei alleinige Entscheidung Assanges gewesen, dieser trage daher die Verantwortung.
Medienpartner grenzen sich ab
Die Journalistenorganisation “Reporter ohne Grenzen” zeigte sich ebenfalls besorgt über die Entwicklung. “Auch wenn bislang nicht bekannt wurde, dass durch diese Veröffentlichungen Personen in Gefahr gebracht worden sind, dürfen doch die möglichen Auswirkungen auf das Leben von Informanten wie Kündigung ihres Arbeitsplatzes, körperliche Übergriffe und andere Repressionen nicht vernachlässigt werden”, heißt es in einer Presseerklärung.
Zeit-Herausgeber Josef Joffe ist gar der Meinung, der “megalomane Assange” gehöre “in ein Sondergefängnis, wo er zur Strafe alle enthüllten Berichte mit der Hand abschreiben” müsse.
Assange tut indes aber auch nicht wirklich viel, um die Wogen zu glätten. Die Schuld für den Daten-Gau weist Wikileaks in allen Erklärungen weit von sich. Schuld sind wie so häufig die anderen: Der Guardian, sein Reporter David Leigh, der das Passwort in seinem Buch druckte, Ex-Wikileaks-Sprecher Daniel Domscheit-Berg, der das Leck öffentlich machte.
Die aus dieser sturköpfigen Haltung resultierende Schlammschlacht nervt mittlerweile viele Aktivisten, die es wohl lieber sähen, wenn sich Assange und die Plattform auf ihr Kerngeschäft konzentrieren würde.
Breite Unterstützung für Assange im Netz
Doch trotz alledem ist die Unterstützer-Front im Netz für Assange nach wie vor sehr breit. Besonders von Netz-Nutzern, die sich weniger für die Internas zu interessieren scheinen, bekommt Assange Rückendeckung.
“Assange is a hero risking everything to restore values that the USA once held dear.” twitterte @jaraparilla mit Referenz auf das kürzlich gesendete “60 Minutes”-Interview.
Auch die Meldung, dass Assange nicht in seinem Heimatland Australien wegen Geheimnisverrats angeklagt werde, sorgte für erleichterte Twitter-Meldungen. “Oh-What-A-Relief-Dept: no prosecution of #Assange for dumb Aussie law”, kommentierte @rixstepnews.
Wieder einmal spaltet Assange also die Gemüter, wie er es mit seinem kompromisslosen Idealismus schon so oft in der Vergangenheit getan hat. Es ist eine Geschichte, wie sie Verschwörungstheoretiker und Hollywood lieben. Ein Mann mit dem Willen eines Helden und der Überzeugung eines Heiligen kämpft gegen das Böse auf der Welt: Gegen Verschwörungen, Lügen, Ungerechtigkeit und Gier der Mächtigen. Selbstlos gibt er alles für seinen Glauben an eine bessere Welt ohne Kriege, Hunger und Ausbeutung.
Der Glaube an die Kraft der Transparenz
Er glaubt an die Kraft der Transparenz: Wenn die Mächtigen immer Angst haben müssten, dass ihr Geheimnisse verraten werden, würden sie sich nicht mehr wagen Dinge zu tun, die besser keiner erfahren soll, so seine Überzeugung.
Er schafft eine Plattform zum Geheimnisverrat. Technisch unangreifbar soll sie sein, den Tippgebern wird 100%ige Anonymität zugesichert. Bald laufen die ersten Dokumente ein, das System scheint zu funktionieren. Als Wikileaks einen gewaltigen Datensatz mit US-Botschaftsdepeschen und Militär-Videos bekommt, werden Julian Assange und seine Mitstreiter weltberühmt.
Hoher Flug, tiefer Fall
Wie in jeder guten Geschichte gibt es aber auf dem Höhepunkt des Erfolgs einen Wendepunkt: Das Schicksal wendet sich gegen den Helden, es stellt ihn und seinen Willen auf die Probe.
An dieser Stelle bricht die Heldensage von Julian Assange aber auch vielleicht. Denn je mehr Details bekannt werden, desto eher sieht es so aus, als sei Assange vor allem über seine Kompromisslosigkeit, seinen Kontrollzwang und seinen Willen, die Welt in kürzester Zeit verändern zu wollen, gescheitert. So sehen es zumindest seine Kritiker. Und ob Assange seine Zuhörer in Berlin wird begeistern können, bleibt fraglich.
(Das ZDF ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich)
Netzkultur
Assange
Wikileaks
from google
Er ist eine der kontroversesten Figuren des letzten Jahres: Wikileaks-Gründer Julian Assange polarisiert wie kaum ein anderer. Für die einen immer noch der Ritter der Wahrheit und Kämpfer gegen Verschwörungen, hat er dagegen das Vertrauen fast aller verloren, die einst mit ihm eng zusammen arbeiteten. Heute spricht Assange auf einem Medienkongress im Rahmen der IFA.
Wenn Assange am Vormittag auf der IFA Medienwoche via Liveschaltung per Satellit eine Keynote hält (“Die Zukunft der digitalen Öffentlichkeit: Über Transparenz und was diese für die Welt bedeutet”) und anschließend von der Journalistin Melinda Crane interviewt wird, wird es nach den Entwicklungen der letzten Tage eher darum gehen, was diese Transparenz für Assage und sein Projekt bedeutet. Dabei kann man sich einer Sache gewiss sein: Das Publikum wird entweder für oder gegen ihn sein.
Besonders ehemalige Medienpartner von Wikileaks lassen derzeit kein gutes Haar an Assange. Nach der Veröffentlichung aller unredigierten US-Botschaftsdepeschen am Freitag Abend distanzierten sich die (ehemaligen) Medienpartner “Guardian”, “New York Times”, “Le Monde”, “El País” sowie “Der Spiegel” vom Handeln Assanges. Die Veröffentlichung sei alleinige Entscheidung Assanges gewesen, dieser trage daher die Verantwortung.
Medienpartner grenzen sich ab
Die Journalistenorganisation “Reporter ohne Grenzen” zeigte sich ebenfalls besorgt über die Entwicklung. “Auch wenn bislang nicht bekannt wurde, dass durch diese Veröffentlichungen Personen in Gefahr gebracht worden sind, dürfen doch die möglichen Auswirkungen auf das Leben von Informanten wie Kündigung ihres Arbeitsplatzes, körperliche Übergriffe und andere Repressionen nicht vernachlässigt werden”, heißt es in einer Presseerklärung.
Zeit-Herausgeber Josef Joffe ist gar der Meinung, der “megalomane Assange” gehöre “in ein Sondergefängnis, wo er zur Strafe alle enthüllten Berichte mit der Hand abschreiben” müsse.
Assange tut indes aber auch nicht wirklich viel, um die Wogen zu glätten. Die Schuld für den Daten-Gau weist Wikileaks in allen Erklärungen weit von sich. Schuld sind wie so häufig die anderen: Der Guardian, sein Reporter David Leigh, der das Passwort in seinem Buch druckte, Ex-Wikileaks-Sprecher Daniel Domscheit-Berg, der das Leck öffentlich machte.
Die aus dieser sturköpfigen Haltung resultierende Schlammschlacht nervt mittlerweile viele Aktivisten, die es wohl lieber sähen, wenn sich Assange und die Plattform auf ihr Kerngeschäft konzentrieren würde.
Breite Unterstützung für Assange im Netz
Doch trotz alledem ist die Unterstützer-Front im Netz für Assange nach wie vor sehr breit. Besonders von Netz-Nutzern, die sich weniger für die Internas zu interessieren scheinen, bekommt Assange Rückendeckung.
“Assange is a hero risking everything to restore values that the USA once held dear.” twitterte @jaraparilla mit Referenz auf das kürzlich gesendete “60 Minutes”-Interview.
Auch die Meldung, dass Assange nicht in seinem Heimatland Australien wegen Geheimnisverrats angeklagt werde, sorgte für erleichterte Twitter-Meldungen. “Oh-What-A-Relief-Dept: no prosecution of #Assange for dumb Aussie law”, kommentierte @rixstepnews.
Wieder einmal spaltet Assange also die Gemüter, wie er es mit seinem kompromisslosen Idealismus schon so oft in der Vergangenheit getan hat. Es ist eine Geschichte, wie sie Verschwörungstheoretiker und Hollywood lieben. Ein Mann mit dem Willen eines Helden und der Überzeugung eines Heiligen kämpft gegen das Böse auf der Welt: Gegen Verschwörungen, Lügen, Ungerechtigkeit und Gier der Mächtigen. Selbstlos gibt er alles für seinen Glauben an eine bessere Welt ohne Kriege, Hunger und Ausbeutung.
Der Glaube an die Kraft der Transparenz
Er glaubt an die Kraft der Transparenz: Wenn die Mächtigen immer Angst haben müssten, dass ihr Geheimnisse verraten werden, würden sie sich nicht mehr wagen Dinge zu tun, die besser keiner erfahren soll, so seine Überzeugung.
Er schafft eine Plattform zum Geheimnisverrat. Technisch unangreifbar soll sie sein, den Tippgebern wird 100%ige Anonymität zugesichert. Bald laufen die ersten Dokumente ein, das System scheint zu funktionieren. Als Wikileaks einen gewaltigen Datensatz mit US-Botschaftsdepeschen und Militär-Videos bekommt, werden Julian Assange und seine Mitstreiter weltberühmt.
Hoher Flug, tiefer Fall
Wie in jeder guten Geschichte gibt es aber auf dem Höhepunkt des Erfolgs einen Wendepunkt: Das Schicksal wendet sich gegen den Helden, es stellt ihn und seinen Willen auf die Probe.
An dieser Stelle bricht die Heldensage von Julian Assange aber auch vielleicht. Denn je mehr Details bekannt werden, desto eher sieht es so aus, als sei Assange vor allem über seine Kompromisslosigkeit, seinen Kontrollzwang und seinen Willen, die Welt in kürzester Zeit verändern zu wollen, gescheitert. So sehen es zumindest seine Kritiker. Und ob Assange seine Zuhörer in Berlin wird begeistern können, bleibt fraglich.
(Das ZDF ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich)
september 2011 by matthiasfromm
Pretty Good Privacy: Was der WikiLeaks-Skandal über den Mainstream-Journalismus offenbart
september 2011 by matthiasfromm
Mal wieder ist WikiLeaks in aller Munde. Mal wieder ist Julian Assange auf den Titelblättern. Die Massenmedien vermelden das Ende eines revolutionären Projekts, besingen den Untergang eines Anti-Helden. Dabei zeigt die jüngste Episode um die Leaking-Plattform vor allem eins: ...
Bitte auf der Website weiterlesen.
Leaking
Sicherheit
Whistleblower
Wikileaks
from google
Bitte auf der Website weiterlesen.
september 2011 by matthiasfromm
Pretty Good Privacy: Was der WikiLeaks-Skandal über den Mainstream-Journalismus offenbart
september 2011 by matthiasfromm
Mal wieder ist WikiLeaks in aller Munde. Mal wieder ist Julian Assange auf den Titelblättern. Die Massenmedien vermelden das Ende eines revolutionären Projekts, besingen den Untergang eines Anti-Helden. Dabei zeigt die jüngste Episode um die Leaking-Plattform vor allem eins: ...
Bitte auf der Website weiterlesen.
Leaking
Sicherheit
Whistleblower
Wikileaks
from google
Bitte auf der Website weiterlesen.
september 2011 by matthiasfromm
Domscheit-Berg: “Ein klassisches Ablenkungsmanöver”
august 2011 by matthiasfromm
Daniel Domscheit-Berg auf der re:publica 2011. (Foto: Jonas Fischer/re:publica; Quelle: Flickr: CC-BY-2.0)
Nach schweren Vorwürfen von Wikileaks-Gründer Julian Assange gegen seinen Ex-Mitstreiter Daniel Domscheit-Berg wehrt sich dieser jetzt: Der von ihm publik gemachte Fehler hätte eigentlich von Wikileaks selber bekannt gemacht werden sollen, um gefährdete Personen zu warnen. Das Schreiben an ihn von Wikileaks-Anwalt Johannes “Jony” Eisenberg sei ein “klassisches Ablenkungsmanöver“.
Die Cyberwellen schlagen mal wieder hoch. Längst geht es in dem Streit zwischen Julian Assange und Daniel Domscheit-Berg nicht mehr um die Frage, wer wem den Leberkäse weggefuttert hat oder ob Assange ein Katzen-Quäler ist.
Stattdessen: Knallharte Vorwürfe, vorgetragen von Wikileaks-Anwalt Jonny Eisenberg, Mitbegründer der taz und wortgewaltiger Vertreter der Zeitung in so manchem Prozess. Nun vertritt er die Interessen von Julian Assange und in seinem Namen wirft er Domscheit-Berg vor, ein “gesteigertes Maß an Niedertracht” zu besitzen, sich nicht an Absprachen und Selbstverpflichtungen gehalten zu haben und so Menschenleben zu gefährden.
Ein Leck bei Wikileaks als Auslöser des Streits
Was war geschehen? Domscheit-Berg hatte Ende letzter Woche dem “Der Freitag“-Reporter Steffen Kraft offenbart, dass es bei Wikileaks ein Leck gegeben habe. Eine Datei mit sämtlichen unredigierten US-Depeschen sei schon vor längerem im Internet aufgetaucht, also jene Dokumente des US-Außenministeriums, die im vergangenen Jahr an Wikileaks gespielt worden waren. Der zu der Datei gehörige Dekodierungs-Schlüssel sei ebenfalls im Umlauf in den Untiefen des Netzes – wer an beides gelangt, hätte so Zugriff auf alle Depeschen mitsamt den Klarnamen von Informanten. Eine Goldgrube für Geheimdienste auf der Suche nach redseligen Mitarbeitern oder Untergrund-Gruppen, die vermeintliche Verräter bestrafen wollen.
Dass Domscheit-Berg diesen Faux-Pas seitens Wikileaks öffentlich gemacht hat – für Eisenberg und Assange scheinbar ein unverantwortlicher Affront. “Mit Ihrem Tun gefährden Sie möglicherweise das Leben und die rechtlichen Interessen Dritter”, schreibt Eisenberg nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa an Domscheit-Berg. Dessen Verhalten sei “in hohem Maße geeignet, die von Ihnen angeblich befürchteten Gefährdungen überhaupt erst herbeizuführen”. Dass es zu dem Fehler gekommen ist, wird in dem Schreiben offenkundig nicht bestritten.
Domscheit-Berg rechtfertigt sein Vorgehen
In einer Hyperland vorliegenden Stellungnahme rechtfertigt Domscheit-Berg sein Handeln damit, dass er und andere Personen, denen dieser Fehler seit vielen Monaten bekannt war, darauf gebaut hätten, dass Assange “selber verantwortlich reagiert” und die betroffenen Personen mit “einer öffentlichen Stellungnahme” warne.
“Man hat allerdings entschieden das Thema zu ignorieren und totzuschweigen”, schreibt Domscheit-Berg in seiner Stellungnahme auf Anfrage von Hyperland. “Dies kann nicht im Interesse von potentiell gefährdeten Menschen sein. Wer genug Ressourcen in dieses Thema investiert, also jeder Geheimdienst oder ähnliches, hat den Fehler sicher schon lange von allein bemerkt.”
Jeder Tag, an dem das Problem der Öffentlichkeit nicht bekannt sei, wäre daher “ein Risiko für jene Menschen die nicht wissen, dass sie sich vor den Konsequenzen dieses grob fahrlässigen Umgangs mit hoch sensiblen Informationen schützen müssen.”
Für Domscheit-Berg wird der Überbringer der schlechten Nachricht wieder einmal zum Schuldigen gemacht. “Aus meiner Sicht ist das Schreiben ein klassisches Ablenkungsmanöver”, schreibt der Informatiker weiter. “Man versucht nun natürlich von diesem eigentlichen Problem abzulenken, und wie immer bin ich der Sündenbock der dafür herhalten soll.”
Schließlich sei es der dritte Fehler, der Wikileaks im Umgang mit den US-Depeschen passiert sei, nachdem sie erst ungewollt an die britische Journalistin Heather Brooke geraten seien und dann bei der norwegischen Zeitung Aftenposten auftauchten.
Keine Mitverantwortung für etwaige Schäden
Eine Mitverantwortung für etwaige Schäden, die durch das jetzt bekannte Leck entstehen könnten, lehnt Domscheit-Berg daher auch ab. “Ich habe mit einem Journalisten meines Vertrauens über dieses Problem gesprochen. Es gab eine ganz klare Vereinbarung keinerlei Details zu veröffentlichen wie oder wo das Material zu finden ist, und Herr Kraft hat sich an diese Abmachung gehalten.”
(Das ZDF ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich)
Netzkultur
OpenLeaks
Wikileaks
from google
Nach schweren Vorwürfen von Wikileaks-Gründer Julian Assange gegen seinen Ex-Mitstreiter Daniel Domscheit-Berg wehrt sich dieser jetzt: Der von ihm publik gemachte Fehler hätte eigentlich von Wikileaks selber bekannt gemacht werden sollen, um gefährdete Personen zu warnen. Das Schreiben an ihn von Wikileaks-Anwalt Johannes “Jony” Eisenberg sei ein “klassisches Ablenkungsmanöver“.
Die Cyberwellen schlagen mal wieder hoch. Längst geht es in dem Streit zwischen Julian Assange und Daniel Domscheit-Berg nicht mehr um die Frage, wer wem den Leberkäse weggefuttert hat oder ob Assange ein Katzen-Quäler ist.
Stattdessen: Knallharte Vorwürfe, vorgetragen von Wikileaks-Anwalt Jonny Eisenberg, Mitbegründer der taz und wortgewaltiger Vertreter der Zeitung in so manchem Prozess. Nun vertritt er die Interessen von Julian Assange und in seinem Namen wirft er Domscheit-Berg vor, ein “gesteigertes Maß an Niedertracht” zu besitzen, sich nicht an Absprachen und Selbstverpflichtungen gehalten zu haben und so Menschenleben zu gefährden.
Ein Leck bei Wikileaks als Auslöser des Streits
Was war geschehen? Domscheit-Berg hatte Ende letzter Woche dem “Der Freitag“-Reporter Steffen Kraft offenbart, dass es bei Wikileaks ein Leck gegeben habe. Eine Datei mit sämtlichen unredigierten US-Depeschen sei schon vor längerem im Internet aufgetaucht, also jene Dokumente des US-Außenministeriums, die im vergangenen Jahr an Wikileaks gespielt worden waren. Der zu der Datei gehörige Dekodierungs-Schlüssel sei ebenfalls im Umlauf in den Untiefen des Netzes – wer an beides gelangt, hätte so Zugriff auf alle Depeschen mitsamt den Klarnamen von Informanten. Eine Goldgrube für Geheimdienste auf der Suche nach redseligen Mitarbeitern oder Untergrund-Gruppen, die vermeintliche Verräter bestrafen wollen.
Dass Domscheit-Berg diesen Faux-Pas seitens Wikileaks öffentlich gemacht hat – für Eisenberg und Assange scheinbar ein unverantwortlicher Affront. “Mit Ihrem Tun gefährden Sie möglicherweise das Leben und die rechtlichen Interessen Dritter”, schreibt Eisenberg nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa an Domscheit-Berg. Dessen Verhalten sei “in hohem Maße geeignet, die von Ihnen angeblich befürchteten Gefährdungen überhaupt erst herbeizuführen”. Dass es zu dem Fehler gekommen ist, wird in dem Schreiben offenkundig nicht bestritten.
Domscheit-Berg rechtfertigt sein Vorgehen
In einer Hyperland vorliegenden Stellungnahme rechtfertigt Domscheit-Berg sein Handeln damit, dass er und andere Personen, denen dieser Fehler seit vielen Monaten bekannt war, darauf gebaut hätten, dass Assange “selber verantwortlich reagiert” und die betroffenen Personen mit “einer öffentlichen Stellungnahme” warne.
“Man hat allerdings entschieden das Thema zu ignorieren und totzuschweigen”, schreibt Domscheit-Berg in seiner Stellungnahme auf Anfrage von Hyperland. “Dies kann nicht im Interesse von potentiell gefährdeten Menschen sein. Wer genug Ressourcen in dieses Thema investiert, also jeder Geheimdienst oder ähnliches, hat den Fehler sicher schon lange von allein bemerkt.”
Jeder Tag, an dem das Problem der Öffentlichkeit nicht bekannt sei, wäre daher “ein Risiko für jene Menschen die nicht wissen, dass sie sich vor den Konsequenzen dieses grob fahrlässigen Umgangs mit hoch sensiblen Informationen schützen müssen.”
Für Domscheit-Berg wird der Überbringer der schlechten Nachricht wieder einmal zum Schuldigen gemacht. “Aus meiner Sicht ist das Schreiben ein klassisches Ablenkungsmanöver”, schreibt der Informatiker weiter. “Man versucht nun natürlich von diesem eigentlichen Problem abzulenken, und wie immer bin ich der Sündenbock der dafür herhalten soll.”
Schließlich sei es der dritte Fehler, der Wikileaks im Umgang mit den US-Depeschen passiert sei, nachdem sie erst ungewollt an die britische Journalistin Heather Brooke geraten seien und dann bei der norwegischen Zeitung Aftenposten auftauchten.
Keine Mitverantwortung für etwaige Schäden
Eine Mitverantwortung für etwaige Schäden, die durch das jetzt bekannte Leck entstehen könnten, lehnt Domscheit-Berg daher auch ab. “Ich habe mit einem Journalisten meines Vertrauens über dieses Problem gesprochen. Es gab eine ganz klare Vereinbarung keinerlei Details zu veröffentlichen wie oder wo das Material zu finden ist, und Herr Kraft hat sich an diese Abmachung gehalten.”
(Das ZDF ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich)
august 2011 by matthiasfromm
Leck bei Wikileaks bestätigt
august 2011 by matthiasfromm
Am Donnerstag habe ich ja schon mal über den Artikel im Freitag geschrieben, in dem Steffen Kraft berichtet, dass alle Wikileaks-Cables frei im Netz verfügbar sind – und das zum Entschlüsseln notwendige Passwort auch.
Wikileaks reagierte mit einer Riesenwelle an neu veröffentlichten Cables – wohl um Schadensbegrenzung bemüht – und der Behauptung, der Bericht des Freitag sei falsch – und außerdem habe wohl Daniel Domscheit-Berg dem Freitag die Dateien gegeben. Das konnte der Freitag natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Man bat Markus und mich um eine unabhängige Bestätigung und bot an, uns unter Verschwiegenheitsverpflichtung einen Beweis zu liefern.
Aus verschiedenen Gründen war das jedoch nicht mehr notwendig, denn auch der Spiegel bestätigt nun, im Besitz der Dateien zu sein, und verrät sogar mehr über deren Herkunft, als vielleicht unbedingt notwendig gewesen wäre.
Mit Bradley Manning im Knast, den Cables dort draußen, also mit Sicherheit auch schon in den Händen diverser Geheimdienste kann man von einem ziemlichen Desaster für das Vertrauen in Leaking-Plattformen generell sprechen – quasi ein Cablegate^2.
Digitalkultur
Cablegate
wikileaks
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Wikileaks reagierte mit einer Riesenwelle an neu veröffentlichten Cables – wohl um Schadensbegrenzung bemüht – und der Behauptung, der Bericht des Freitag sei falsch – und außerdem habe wohl Daniel Domscheit-Berg dem Freitag die Dateien gegeben. Das konnte der Freitag natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Man bat Markus und mich um eine unabhängige Bestätigung und bot an, uns unter Verschwiegenheitsverpflichtung einen Beweis zu liefern.
Aus verschiedenen Gründen war das jedoch nicht mehr notwendig, denn auch der Spiegel bestätigt nun, im Besitz der Dateien zu sein, und verrät sogar mehr über deren Herkunft, als vielleicht unbedingt notwendig gewesen wäre.
Mit Bradley Manning im Knast, den Cables dort draußen, also mit Sicherheit auch schon in den Händen diverser Geheimdienste kann man von einem ziemlichen Desaster für das Vertrauen in Leaking-Plattformen generell sprechen – quasi ein Cablegate^2.
august 2011 by matthiasfromm
Vorschlag zur Güte
august 2011 by matthiasfromm
Fefe hat kürzlich ja mehrere Dilemmata beschrieben, die dafür sorgen, dass es in der Openleaks-versus-Wikileaks-Geschichte nicht vorangeht. Die angekündigten Schlüssel- und Datenlöschungen sind natürlich die unglücklichsten Lösungen. Sie sollen Vertrauen herstellen, gehen aber wiederum mit weiterem Vertrauensverlust einher, so ...
Bitte auf der Website weiterlesen.
Leaking
Open_Source
OpenLeaks
Wikileaks
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Bitte auf der Website weiterlesen.
august 2011 by matthiasfromm
Vorschlag zur Güte
august 2011 by matthiasfromm
Fefe hat kürzlich ja mehrere Dilemmata beschrieben, die dafür sorgen, dass es in der Openleaks-versus-Wikileaks-Geschichte nicht vorangeht. Die angekündigten Schlüssel- und Datenlöschungen sind natürlich die unglücklichsten Lösungen. Sie sollen Vertrauen herstellen, gehen aber wiederum mit weiterem Vertrauensverlust einher, so ...
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august 2011 by matthiasfromm
OpenLeaks’ komisches Verhältnis zu Crypto-Schlüsseln
august 2011 by matthiasfromm
Wie heise und der Freitag gestern Abend meldeten, haben OpenLeaks-Aktivisten angekündigt, ihre “Wikileaks-Schlüssel” unter “anwaltlicher Aufsicht” vernichten zu wollen.
Gemeint sind die Codes zur Entschlüsselung jenes ominösen Datenträgers, der 3.000 Dateien unbereinigtes Rohmaterial aus der Wikileaks-Submission-Queue beheimaten, und vom “Architekten” zu Zeiten der Trennung einem Wikileaks-Server entnommen worden sein soll. Der Streit um diesen Datenträger eskalierte bekanntermaßen beim diesjährigen CCC-Camp.
Bisher lautete die Legende, man wolle das Material an Wikileaks (i.e. Julian Assange) zurückgeben, wenn dort für die Sicherheit des Materials garantiert werden könne. Openleaks selbst habe kein Interesse an der Nutzung. Zwischendurch hatte es dann auch mal geheißen, man habe noch nicht einmal einen Schlüssel dafür – den hätte nur Julian. Jetzt wiederum stellt sich also heraus, dass man den wohl doch hat, während Julian in einem Tweet den Eindruck erweckt, er selbst habe keinen und das auch gegenüber Holger Stark betont. Inzwischen blickt da wohl niemand mehr durch, weil alles und sein Gegenteil – inklusive der Leugnung, den Datenträger zu haben – behauptet wurde.
Wie stelle ich mir jetzt also die “anwaltlich beaufsichtigte Vernichtung” vor?
Ja, hallo, guck mal: Hier ist die Datei – und die lösche ich jetzt und überschreibe sie 20 Mal. Jetzt ist sie weg. Jo, danke, einmal bitte hier unterschreiben… Tschö!
Alles prima, oder? Dass nicht etwa vorher eine Kopie davon gemacht wurde, kann der Anwalt ja glauben und deshalb ist die ist dieser Vorgang samt seiner anwaltlichen Beaufsichtigung ja auch so überaus bestechend sinnvoll. Deswegen soll wohl noch eine eidesstattliche Versicherung des Paket abrunden.
Detlef Borchers beschreibt in seinem Artikel, die Daten hätten ohnehin schon als Torrent die Runde gemacht. Das wiederum würde den Streitwert der nun 11-monatigen Auseinandersetzung auf grob geschätzt allenfalls ein paar Hundert Euro für einen Datenträger (minus Wertverlust) beziffern. Ich muss sagen, diese Sache wird mir langsam zu blöde.
Das interessante Verhältnis von Openleaks zu Schlüsseln und Verschlüsselung geht aber noch weiter: OpenLeaks hat nämlich die mir unerklärliche Fähigkeit, verschlüsselte Dateien verändern zu können, ohne darauf Zugriff zu haben. Das geht so:
Wer Material bei Openleaks einreicht, adressiert dieses Material an einen Empfänger, und es wird mit einem Schlüssel verschlüsselt, den nur dieser Empfänger hat (Minute 3:10)
Wir bekommen gar kein Material in die Hand. Das wird auch so verschlüsselt, dass nur die Partner, an die es eingesandet wurde, bzw. die Partner, an die es dann auch später verteilt wird, in einem zweiten Schritt das verschlüsselt wird mit deren Keymaterial.
Aha. Dem entnehme ich: Die Datei kommt mit einer Verschlüsselung an, die OpenLeaks nicht öffnen kann, sondern nur der Empfänger. Prima, so sollte es sein. Ehrlich gesagt sehe ich aber nicht, wie beim OpenLeaks-Formular eine Verschlüsselung vorm Absenden der Datei stattfindet. Die unverschlüsselte Datei wird über eine verschlüsselte Verbindung übertragen und kommt unverschlüsselt bei OL an, wenn ich das richtig diagnostiziert habe. Die nächste Frage im Interview lautet dann: Welche Arbeit übernimmt OpenLeaks dann überhaupt noch? (Minute 3:25)
Wir kümmern uns um den Schutz der Quelle. Dazu gehört auch das Bereinigen der Dokumente. Diese Dokumente werden dann von uns neu veröffentlicht für die Partner, die das bekommen. Also die Partner bekommen schon eine standardisierte Version, die bereinigt ist von allen Metadatenspuren, und ähnlichem, mit dem sich die Quelle zurückverfolgen ließe.
Wie OpenLeaks Dateien bereinigen will, obwohl sie so verschlüsselt sind, dass sie gar keinen Zugriff darauf haben, muss mir dann noch erklärt werden. Auch der früher schon angekündigte und auch in diesem Video im Detail noch einmal betonte Plan, dass Material, das von einem Partner abgelehnt wird dann noch an andere gehen kann, ist unter der Vorraussetzung, dass OpenLeaks keinen Zugang zu den Dateien hat, unvorstellbar bis unmöglich.
Die Bereinigung und das Weiterverteilen wären in der beschriebenen Form nur möglich, wenn Openleaks auch Zugriff auf die Dokumente hat (was sie natürlich auch haben!). Das jedoch wird mehrfach verneint. Wer ein bisschen Ahnung von Cryptographie hat, kann sich zwar ungefähr denken, wie es wohl gemeint sein wird, wenn aber eine Gruppe heller Köpfe 11 Monate an einem System arbeitet und dieses mit großem Pomp vorstellt, dann sollten solche Unklarheiten wirklich nicht auftreten, vor allem nicht zum wiederholten Male.
Zusammen mit der ziemlich sinnlosen Aktion, nun unter anwaltlicher Aufsicht Schlüssel löschen zu wollen, erscheint hier der Eindruck, dass die betroffenen Personen entweder nur ein rudimentäres Verständnis von Cryptographie und dem Kopieren einer Datei haben, oder aber bewusst irgendwelche unsinnigen Nebelkerzen zünden. Vom logischen Anspruch her bewegen wir fast auf dem Niveau wie PJ Crowley, der ernsthaft eine Rückgabe der Cables gefordert hatte – was haben wir damals gelacht!
Im Übrigen halte ich es persönlich für nicht besonders gut, wenn die Dateien der Whistleblower unverschlüsselt versendet werden, sei es auch durch Tor und eine CAcert-signierte SSL-Verbindung, aber darauf werde ich in den nächsten Tagen nochmal eingehen.
Digitalkultur
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Gemeint sind die Codes zur Entschlüsselung jenes ominösen Datenträgers, der 3.000 Dateien unbereinigtes Rohmaterial aus der Wikileaks-Submission-Queue beheimaten, und vom “Architekten” zu Zeiten der Trennung einem Wikileaks-Server entnommen worden sein soll. Der Streit um diesen Datenträger eskalierte bekanntermaßen beim diesjährigen CCC-Camp.
Bisher lautete die Legende, man wolle das Material an Wikileaks (i.e. Julian Assange) zurückgeben, wenn dort für die Sicherheit des Materials garantiert werden könne. Openleaks selbst habe kein Interesse an der Nutzung. Zwischendurch hatte es dann auch mal geheißen, man habe noch nicht einmal einen Schlüssel dafür – den hätte nur Julian. Jetzt wiederum stellt sich also heraus, dass man den wohl doch hat, während Julian in einem Tweet den Eindruck erweckt, er selbst habe keinen und das auch gegenüber Holger Stark betont. Inzwischen blickt da wohl niemand mehr durch, weil alles und sein Gegenteil – inklusive der Leugnung, den Datenträger zu haben – behauptet wurde.
Wie stelle ich mir jetzt also die “anwaltlich beaufsichtigte Vernichtung” vor?
Ja, hallo, guck mal: Hier ist die Datei – und die lösche ich jetzt und überschreibe sie 20 Mal. Jetzt ist sie weg. Jo, danke, einmal bitte hier unterschreiben… Tschö!
Alles prima, oder? Dass nicht etwa vorher eine Kopie davon gemacht wurde, kann der Anwalt ja glauben und deshalb ist die ist dieser Vorgang samt seiner anwaltlichen Beaufsichtigung ja auch so überaus bestechend sinnvoll. Deswegen soll wohl noch eine eidesstattliche Versicherung des Paket abrunden.
Detlef Borchers beschreibt in seinem Artikel, die Daten hätten ohnehin schon als Torrent die Runde gemacht. Das wiederum würde den Streitwert der nun 11-monatigen Auseinandersetzung auf grob geschätzt allenfalls ein paar Hundert Euro für einen Datenträger (minus Wertverlust) beziffern. Ich muss sagen, diese Sache wird mir langsam zu blöde.
Das interessante Verhältnis von Openleaks zu Schlüsseln und Verschlüsselung geht aber noch weiter: OpenLeaks hat nämlich die mir unerklärliche Fähigkeit, verschlüsselte Dateien verändern zu können, ohne darauf Zugriff zu haben. Das geht so:
Wer Material bei Openleaks einreicht, adressiert dieses Material an einen Empfänger, und es wird mit einem Schlüssel verschlüsselt, den nur dieser Empfänger hat (Minute 3:10)
Wir bekommen gar kein Material in die Hand. Das wird auch so verschlüsselt, dass nur die Partner, an die es eingesandet wurde, bzw. die Partner, an die es dann auch später verteilt wird, in einem zweiten Schritt das verschlüsselt wird mit deren Keymaterial.
Aha. Dem entnehme ich: Die Datei kommt mit einer Verschlüsselung an, die OpenLeaks nicht öffnen kann, sondern nur der Empfänger. Prima, so sollte es sein. Ehrlich gesagt sehe ich aber nicht, wie beim OpenLeaks-Formular eine Verschlüsselung vorm Absenden der Datei stattfindet. Die unverschlüsselte Datei wird über eine verschlüsselte Verbindung übertragen und kommt unverschlüsselt bei OL an, wenn ich das richtig diagnostiziert habe. Die nächste Frage im Interview lautet dann: Welche Arbeit übernimmt OpenLeaks dann überhaupt noch? (Minute 3:25)
Wir kümmern uns um den Schutz der Quelle. Dazu gehört auch das Bereinigen der Dokumente. Diese Dokumente werden dann von uns neu veröffentlicht für die Partner, die das bekommen. Also die Partner bekommen schon eine standardisierte Version, die bereinigt ist von allen Metadatenspuren, und ähnlichem, mit dem sich die Quelle zurückverfolgen ließe.
Wie OpenLeaks Dateien bereinigen will, obwohl sie so verschlüsselt sind, dass sie gar keinen Zugriff darauf haben, muss mir dann noch erklärt werden. Auch der früher schon angekündigte und auch in diesem Video im Detail noch einmal betonte Plan, dass Material, das von einem Partner abgelehnt wird dann noch an andere gehen kann, ist unter der Vorraussetzung, dass OpenLeaks keinen Zugang zu den Dateien hat, unvorstellbar bis unmöglich.
Die Bereinigung und das Weiterverteilen wären in der beschriebenen Form nur möglich, wenn Openleaks auch Zugriff auf die Dokumente hat (was sie natürlich auch haben!). Das jedoch wird mehrfach verneint. Wer ein bisschen Ahnung von Cryptographie hat, kann sich zwar ungefähr denken, wie es wohl gemeint sein wird, wenn aber eine Gruppe heller Köpfe 11 Monate an einem System arbeitet und dieses mit großem Pomp vorstellt, dann sollten solche Unklarheiten wirklich nicht auftreten, vor allem nicht zum wiederholten Male.
Zusammen mit der ziemlich sinnlosen Aktion, nun unter anwaltlicher Aufsicht Schlüssel löschen zu wollen, erscheint hier der Eindruck, dass die betroffenen Personen entweder nur ein rudimentäres Verständnis von Cryptographie und dem Kopieren einer Datei haben, oder aber bewusst irgendwelche unsinnigen Nebelkerzen zünden. Vom logischen Anspruch her bewegen wir fast auf dem Niveau wie PJ Crowley, der ernsthaft eine Rückgabe der Cables gefordert hatte – was haben wir damals gelacht!
Im Übrigen halte ich es persönlich für nicht besonders gut, wenn die Dateien der Whistleblower unverschlüsselt versendet werden, sei es auch durch Tor und eine CAcert-signierte SSL-Verbindung, aber darauf werde ich in den nächsten Tagen nochmal eingehen.
august 2011 by matthiasfromm
Wikileaks: Ein äußerst ironischer Durchbruch für den Datenjournalismus
august 2011 by matthiasfromm
Viele Journalisten sehen in den Wikileaks-Enthüllungen 2010 den Durchbruch für den Datenjournalismus (in Deutschland). Dabei erfüllen die Arbeiten an den Wikileaks-Dateien maßgebliche Grundsätze des Datenjournalismus nur bedingt.
Die großen Datenmengen bei den Kriegstagebücher aus Afghanistan und dem Irak, sowie die Botschaftsdepeschen, brachten zwangsläufig die Notwendigkeit nach datenjournalistischer Auswertung mit sich. Einerseits für den Leser, aber auch für die Redakteure selbst. Dabei ergab sich ein großes Problem: Die Wikileaks-Dateien gingen vorrangig und mit großer Geheimhaltung und Vorsicht an vermeintliche Star-Journalisten der beteiligten Medien. Journalisten mit Erfahrung in der jeweiligen Thematik und/oder mit investigativer Berichterstattung. Datenjournalisten waren sie jedoch meist nicht.
Simon Rogers vom Guardian brachte es auf den Punkt: „When we received the Afghanistan War Logs from Wikileaks, we had our brilliant team of reporters with great knowledge on Afghanistan, wars in general and foreign policy. But none of them had ever used a spreadsheet.“
Rogers Guardian schlug sich jedoch noch mit Abstand am besten, als es darum ging, die Dateien im Internet anschaulich zu präsentieren. Bei Spiegel hingegen misslang dies in den meisten Fällen, auch wenn in Hamburg bei der Irak-Veröffentlichung und den Botschaftsdepeschen aus den zuvor gemachten Fehlern gelernt wurde und vermutlich auch kräftig bei den anderen Medien abgeguckt wurde. Der Afghanistan-Leak zu Beginn war auf Spiegel Online enttäuschend. Entsprechend äußerte sich auch die Netzszene. Da war von „Scheitern“, „armselig“ oder einem „Desaster” die Rede. Wie konnte das?
Nun, zum einem fehlte den Beteiligten Redakteuren vermutlich, ähnlich wie in Rogers Team, die Expertise. Zum anderen kommt beim Spiegel ein Sonderfall ins Spiel: Auch wenn Spiegel und Spiegel Online häufig als eine Marke wahrgenommen werden, sind es separate Redaktionen. Die Wikileaks-Daten gingen an den Spiegel. Es ist davon auszugehen, dass die Kollegen auf der anderen Straßenseite in der Redaktion von Spiegel Online erst sehr viel später damit Kontakt hatten. Und dort bestimmt auch nicht alle. So wurde schon hier die Möglichkeit, dass die Redakteure eigene Ideen zur datenjournalistischen Aufarbeitung mit einbringen können, kaum berücksichtigt. In einer reinen Online-Redaktion sollte man doch eigentlich davon ausgehen, dass gute Ideen vorhanden sind.
Die logische Weiterführung dessen war, dass die meisten Wikileaks-Daten kaum zur Weiterverarbeitung durch andere Redaktionen verfügbar gemacht wurden. Maschinenlesbare-Formate? Fehlanzeige! Wikileaks selbst erfüllte diese Rolle zum Teil. Bei den Botschaftsdepeschen tat Wikileaks dies jedoch schon wieder gar nicht mehr: Hier sind noch immer nicht alle Dateien online, wohingegen Wikileaks selbst und die Exklusiv-Redaktionen dieser Datenbestand bekannt ist.
Womit bereits ein weiterer Aspekt angesprochen wäre. Datenjournalismus funktioniert eigentlich nur dann richtig, wenn die benutzten Daten vollständig sind. Ob dies bei den Wikileaks-Dateien der Fall ist, ist jedoch unbekannt. Wikileaks hat diese vermutlich von einer oder mehreren Quellen bekommen. Über die Intentionen dieser kann man nur spekulieren. Darüber, was er oder sie warum ausgewählt hat und was nicht, ebenso.
Dieses Datenpaket wurde von Wikileaks weitergereicht. Vollständig oder nicht, auch hier ist diese Frage nicht sicher zu beantworten. Wenn die Dokumente nicht vollständig weitergegeben wurden, stellen sich erneut die Fragen: Warum? Und: Was wurde weggelassen?
Ein weiterer Schritt kann der von Redaktion zu Redakteur sein. Kurzum: Für ein datenjournalistisches Projekt sind diese Daten nur mit äußerster Vorsicht zu gebrauchen. Aber die Wikileaks-Veröffentlichungen waren auch nie wirklich ein datenjournalistisches Projekt. Aus den genannten drei Gründen:
Es gab zuerst die Daten, dann den Wunsch sie aufzubereiten. Bei den meisten datenjournalistischen Veröffentlichungen ist es anders herum: Es gibt eine Fragestellung und dazu werden Daten gesucht oder erhoben.
Das Projekt wurde nicht von Datenjournalisten betrieben. Diese waren vielmehr nur Unterstützer oder Assistenten.
Es ist unbekannt, wie vollständig, sprich wie aussagekräftig, die Daten sind.
Dass es sich von Grund auf um Datenjournalismus handelt, ist aber auch schon aus einem anderen Grund heraus unlogisch: Streng genommen handelt es sich nämlich nur um Daten in einem weitgefassten Sinn. Eigentlich geht es um die Geschichten in den geleakten Dokumenten: Und das sind eher Textstücke, persönliche Einschätzungen von Botschaftern oder Soldaten.
Aber: Die Wikileaks-Veröffentlichungen haben die Nutzer, auch in Deutschland, an interaktive Grafiken und datenjournalistische Auswertungen gewöhnt. Sie werden auch in Zukunft danach verlangen. Den Redaktionen wurde vor Augen geführt, wie wertvoll das entsprechende Know-How sein kann. Aus diesen Gründen waren die Wikileaks-Veröffentlichungen 2010 womöglich wirklich der Durchbruch für den Datenjournalismus in Deutschland und das, obwohl sie wichtige Elemente des Datenjournalismus nicht beachteten.
Der Durchbruch war somit ein äußerst ironischer Durchbruch.
Der Artikel entstand im Rahmen eines Seminars zu Daten-Journalimus an der Hochschule Darmstadt. Dozent Christian Kreutz.
Beitr�ge zu verwandten Themen:Open Data für Journalisten
Netzwerkanalyse-Software für Spendenzahlungen online
Diverse Links zu “Open Data” und “Infografik”
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Die großen Datenmengen bei den Kriegstagebücher aus Afghanistan und dem Irak, sowie die Botschaftsdepeschen, brachten zwangsläufig die Notwendigkeit nach datenjournalistischer Auswertung mit sich. Einerseits für den Leser, aber auch für die Redakteure selbst. Dabei ergab sich ein großes Problem: Die Wikileaks-Dateien gingen vorrangig und mit großer Geheimhaltung und Vorsicht an vermeintliche Star-Journalisten der beteiligten Medien. Journalisten mit Erfahrung in der jeweiligen Thematik und/oder mit investigativer Berichterstattung. Datenjournalisten waren sie jedoch meist nicht.
Simon Rogers vom Guardian brachte es auf den Punkt: „When we received the Afghanistan War Logs from Wikileaks, we had our brilliant team of reporters with great knowledge on Afghanistan, wars in general and foreign policy. But none of them had ever used a spreadsheet.“
Rogers Guardian schlug sich jedoch noch mit Abstand am besten, als es darum ging, die Dateien im Internet anschaulich zu präsentieren. Bei Spiegel hingegen misslang dies in den meisten Fällen, auch wenn in Hamburg bei der Irak-Veröffentlichung und den Botschaftsdepeschen aus den zuvor gemachten Fehlern gelernt wurde und vermutlich auch kräftig bei den anderen Medien abgeguckt wurde. Der Afghanistan-Leak zu Beginn war auf Spiegel Online enttäuschend. Entsprechend äußerte sich auch die Netzszene. Da war von „Scheitern“, „armselig“ oder einem „Desaster” die Rede. Wie konnte das?
Nun, zum einem fehlte den Beteiligten Redakteuren vermutlich, ähnlich wie in Rogers Team, die Expertise. Zum anderen kommt beim Spiegel ein Sonderfall ins Spiel: Auch wenn Spiegel und Spiegel Online häufig als eine Marke wahrgenommen werden, sind es separate Redaktionen. Die Wikileaks-Daten gingen an den Spiegel. Es ist davon auszugehen, dass die Kollegen auf der anderen Straßenseite in der Redaktion von Spiegel Online erst sehr viel später damit Kontakt hatten. Und dort bestimmt auch nicht alle. So wurde schon hier die Möglichkeit, dass die Redakteure eigene Ideen zur datenjournalistischen Aufarbeitung mit einbringen können, kaum berücksichtigt. In einer reinen Online-Redaktion sollte man doch eigentlich davon ausgehen, dass gute Ideen vorhanden sind.
Die logische Weiterführung dessen war, dass die meisten Wikileaks-Daten kaum zur Weiterverarbeitung durch andere Redaktionen verfügbar gemacht wurden. Maschinenlesbare-Formate? Fehlanzeige! Wikileaks selbst erfüllte diese Rolle zum Teil. Bei den Botschaftsdepeschen tat Wikileaks dies jedoch schon wieder gar nicht mehr: Hier sind noch immer nicht alle Dateien online, wohingegen Wikileaks selbst und die Exklusiv-Redaktionen dieser Datenbestand bekannt ist.
Womit bereits ein weiterer Aspekt angesprochen wäre. Datenjournalismus funktioniert eigentlich nur dann richtig, wenn die benutzten Daten vollständig sind. Ob dies bei den Wikileaks-Dateien der Fall ist, ist jedoch unbekannt. Wikileaks hat diese vermutlich von einer oder mehreren Quellen bekommen. Über die Intentionen dieser kann man nur spekulieren. Darüber, was er oder sie warum ausgewählt hat und was nicht, ebenso.
Dieses Datenpaket wurde von Wikileaks weitergereicht. Vollständig oder nicht, auch hier ist diese Frage nicht sicher zu beantworten. Wenn die Dokumente nicht vollständig weitergegeben wurden, stellen sich erneut die Fragen: Warum? Und: Was wurde weggelassen?
Ein weiterer Schritt kann der von Redaktion zu Redakteur sein. Kurzum: Für ein datenjournalistisches Projekt sind diese Daten nur mit äußerster Vorsicht zu gebrauchen. Aber die Wikileaks-Veröffentlichungen waren auch nie wirklich ein datenjournalistisches Projekt. Aus den genannten drei Gründen:
Es gab zuerst die Daten, dann den Wunsch sie aufzubereiten. Bei den meisten datenjournalistischen Veröffentlichungen ist es anders herum: Es gibt eine Fragestellung und dazu werden Daten gesucht oder erhoben.
Das Projekt wurde nicht von Datenjournalisten betrieben. Diese waren vielmehr nur Unterstützer oder Assistenten.
Es ist unbekannt, wie vollständig, sprich wie aussagekräftig, die Daten sind.
Dass es sich von Grund auf um Datenjournalismus handelt, ist aber auch schon aus einem anderen Grund heraus unlogisch: Streng genommen handelt es sich nämlich nur um Daten in einem weitgefassten Sinn. Eigentlich geht es um die Geschichten in den geleakten Dokumenten: Und das sind eher Textstücke, persönliche Einschätzungen von Botschaftern oder Soldaten.
Aber: Die Wikileaks-Veröffentlichungen haben die Nutzer, auch in Deutschland, an interaktive Grafiken und datenjournalistische Auswertungen gewöhnt. Sie werden auch in Zukunft danach verlangen. Den Redaktionen wurde vor Augen geführt, wie wertvoll das entsprechende Know-How sein kann. Aus diesen Gründen waren die Wikileaks-Veröffentlichungen 2010 womöglich wirklich der Durchbruch für den Datenjournalismus in Deutschland und das, obwohl sie wichtige Elemente des Datenjournalismus nicht beachteten.
Der Durchbruch war somit ein äußerst ironischer Durchbruch.
Der Artikel entstand im Rahmen eines Seminars zu Daten-Journalimus an der Hochschule Darmstadt. Dozent Christian Kreutz.
Beitr�ge zu verwandten Themen:Open Data für Journalisten
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Diverse Links zu “Open Data” und “Infografik”
august 2011 by matthiasfromm
Wikileaks: Ein äußerst ironischer Durchbruch für den Datenjournalismus
august 2011 by matthiasfromm
Viele Journalisten sehen in den Wikileaks-Enthüllungen 2010 den Durchbruch für den Datenjournalismus (in Deutschland). Dabei erfüllen die Arbeiten an den Wikileaks-Dateien maßgebliche Grundsätze des Datenjournalismus nur bedingt.
Die großen Datenmengen bei den Kriegstagebücher aus Afghanistan und dem Irak, sowie die Botschaftsdepeschen, brachten zwangsläufig die Notwendigkeit nach datenjournalistischer Auswertung mit sich. Einerseits für den Leser, aber auch für die Redakteure selbst. Dabei ergab sich ein großes Problem: Die Wikileaks-Dateien gingen vorrangig und mit großer Geheimhaltung und Vorsicht an vermeintliche Star-Journalisten der beteiligten Medien. Journalisten mit Erfahrung in der jeweiligen Thematik und/oder mit investigativer Berichterstattung. Datenjournalisten waren sie jedoch meist nicht.
Simon Rogers vom Guardian brachte es auf den Punkt: „When we received the Afghanistan War Logs from Wikileaks, we had our brilliant team of reporters with great knowledge on Afghanistan, wars in general and foreign policy. But none of them had ever used a spreadsheet.“
Rogers Guardian schlug sich jedoch noch mit Abstand am besten, als es darum ging, die Dateien im Internet anschaulich zu präsentieren. Bei Spiegel hingegen misslang dies in den meisten Fällen, auch wenn in Hamburg bei der Irak-Veröffentlichung und den Botschaftsdepeschen aus den zuvor gemachten Fehlern gelernt wurde und vermutlich auch kräftig bei den anderen Medien abgeguckt wurde. Der Afghanistan-Leak zu Beginn war auf Spiegel Online enttäuschend. Entsprechend äußerte sich auch die Netzszene. Da war von „Scheitern“, „armselig“ oder einem „Desaster” die Rede. Wie konnte das?
Nun, zum einem fehlte den Beteiligten Redakteuren vermutlich, ähnlich wie in Rogers Team, die Expertise. Zum anderen kommt beim Spiegel ein Sonderfall ins Spiel: Auch wenn Spiegel und Spiegel Online häufig als eine Marke wahrgenommen werden, sind es separate Redaktionen. Die Wikileaks-Daten gingen an den Spiegel. Es ist davon auszugehen, dass die Kollegen auf der anderen Straßenseite in der Redaktion von Spiegel Online erst sehr viel später damit Kontakt hatten. Und dort bestimmt auch nicht alle. So wurde schon hier die Möglichkeit, dass die Redakteure eigene Ideen zur datenjournalistischen Aufarbeitung mit einbringen können, kaum berücksichtigt. In einer reinen Online-Redaktion sollte man doch eigentlich davon ausgehen, dass gute Ideen vorhanden sind.
Die logische Weiterführung dessen war, dass die meisten Wikileaks-Daten kaum zur Weiterverarbeitung durch andere Redaktionen verfügbar gemacht wurden. Maschinenlesbare-Formate? Fehlanzeige! Wikileaks selbst erfüllte diese Rolle zum Teil. Bei den Botschaftsdepeschen tat Wikileaks dies jedoch schon wieder gar nicht mehr: Hier sind noch immer nicht alle Dateien online, wohingegen Wikileaks selbst und die Exklusiv-Redaktionen dieser Datenbestand bekannt ist.
Womit bereits ein weiterer Aspekt angesprochen wäre. Datenjournalismus funktioniert eigentlich nur dann richtig, wenn die benutzten Daten vollständig sind. Ob dies bei den Wikileaks-Dateien der Fall ist, ist jedoch unbekannt. Wikileaks hat diese vermutlich von einer oder mehreren Quellen bekommen. Über die Intentionen dieser kann man nur spekulieren. Darüber, was er oder sie warum ausgewählt hat und was nicht, ebenso.
Dieses Datenpaket wurde von Wikileaks weitergereicht. Vollständig oder nicht, auch hier ist diese Frage nicht sicher zu beantworten. Wenn die Dokumente nicht vollständig weitergegeben wurden, stellen sich erneut die Fragen: Warum? Und: Was wurde weggelassen?
Ein weiterer Schritt kann der von Redaktion zu Redakteur sein. Kurzum: Für ein datenjournalistisches Projekt sind diese Daten nur mit äußerster Vorsicht zu gebrauchen. Aber die Wikileaks-Veröffentlichungen waren auch nie wirklich ein datenjournalistisches Projekt. Aus den genannten drei Gründen:
Es gab zuerst die Daten, dann den Wunsch sie aufzubereiten. Bei den meisten datenjournalistischen Veröffentlichungen ist es anders herum: Es gibt eine Fragestellung und dazu werden Daten gesucht oder erhoben.
Das Projekt wurde nicht von Datenjournalisten betrieben. Diese waren vielmehr nur Unterstützer oder Assistenten.
Es ist unbekannt, wie vollständig, sprich wie aussagekräftig, die Daten sind.
Dass es sich von Grund auf um Datenjournalismus handelt, ist aber auch schon aus einem anderen Grund heraus unlogisch: Streng genommen handelt es sich nämlich nur um Daten in einem weitgefassten Sinn. Eigentlich geht es um die Geschichten in den geleakten Dokumenten: Und das sind eher Textstücke, persönliche Einschätzungen von Botschaftern oder Soldaten.
Aber: Die Wikileaks-Veröffentlichungen haben die Nutzer, auch in Deutschland, an interaktive Grafiken und datenjournalistische Auswertungen gewöhnt. Sie werden auch in Zukunft danach verlangen. Den Redaktionen wurde vor Augen geführt, wie wertvoll das entsprechende Know-How sein kann. Aus diesen Gründen waren die Wikileaks-Veröffentlichungen 2010 womöglich wirklich der Durchbruch für den Datenjournalismus in Deutschland und das, obwohl sie wichtige Elemente des Datenjournalismus nicht beachteten.
Der Durchbruch war somit ein äußerst ironischer Durchbruch.
Der Artikel entstand im Rahmen eines Seminars zu Daten-Journalimus an der Hochschule Darmstadt. Dozent Christian Kreutz.
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Die großen Datenmengen bei den Kriegstagebücher aus Afghanistan und dem Irak, sowie die Botschaftsdepeschen, brachten zwangsläufig die Notwendigkeit nach datenjournalistischer Auswertung mit sich. Einerseits für den Leser, aber auch für die Redakteure selbst. Dabei ergab sich ein großes Problem: Die Wikileaks-Dateien gingen vorrangig und mit großer Geheimhaltung und Vorsicht an vermeintliche Star-Journalisten der beteiligten Medien. Journalisten mit Erfahrung in der jeweiligen Thematik und/oder mit investigativer Berichterstattung. Datenjournalisten waren sie jedoch meist nicht.
Simon Rogers vom Guardian brachte es auf den Punkt: „When we received the Afghanistan War Logs from Wikileaks, we had our brilliant team of reporters with great knowledge on Afghanistan, wars in general and foreign policy. But none of them had ever used a spreadsheet.“
Rogers Guardian schlug sich jedoch noch mit Abstand am besten, als es darum ging, die Dateien im Internet anschaulich zu präsentieren. Bei Spiegel hingegen misslang dies in den meisten Fällen, auch wenn in Hamburg bei der Irak-Veröffentlichung und den Botschaftsdepeschen aus den zuvor gemachten Fehlern gelernt wurde und vermutlich auch kräftig bei den anderen Medien abgeguckt wurde. Der Afghanistan-Leak zu Beginn war auf Spiegel Online enttäuschend. Entsprechend äußerte sich auch die Netzszene. Da war von „Scheitern“, „armselig“ oder einem „Desaster” die Rede. Wie konnte das?
Nun, zum einem fehlte den Beteiligten Redakteuren vermutlich, ähnlich wie in Rogers Team, die Expertise. Zum anderen kommt beim Spiegel ein Sonderfall ins Spiel: Auch wenn Spiegel und Spiegel Online häufig als eine Marke wahrgenommen werden, sind es separate Redaktionen. Die Wikileaks-Daten gingen an den Spiegel. Es ist davon auszugehen, dass die Kollegen auf der anderen Straßenseite in der Redaktion von Spiegel Online erst sehr viel später damit Kontakt hatten. Und dort bestimmt auch nicht alle. So wurde schon hier die Möglichkeit, dass die Redakteure eigene Ideen zur datenjournalistischen Aufarbeitung mit einbringen können, kaum berücksichtigt. In einer reinen Online-Redaktion sollte man doch eigentlich davon ausgehen, dass gute Ideen vorhanden sind.
Die logische Weiterführung dessen war, dass die meisten Wikileaks-Daten kaum zur Weiterverarbeitung durch andere Redaktionen verfügbar gemacht wurden. Maschinenlesbare-Formate? Fehlanzeige! Wikileaks selbst erfüllte diese Rolle zum Teil. Bei den Botschaftsdepeschen tat Wikileaks dies jedoch schon wieder gar nicht mehr: Hier sind noch immer nicht alle Dateien online, wohingegen Wikileaks selbst und die Exklusiv-Redaktionen dieser Datenbestand bekannt ist.
Womit bereits ein weiterer Aspekt angesprochen wäre. Datenjournalismus funktioniert eigentlich nur dann richtig, wenn die benutzten Daten vollständig sind. Ob dies bei den Wikileaks-Dateien der Fall ist, ist jedoch unbekannt. Wikileaks hat diese vermutlich von einer oder mehreren Quellen bekommen. Über die Intentionen dieser kann man nur spekulieren. Darüber, was er oder sie warum ausgewählt hat und was nicht, ebenso.
Dieses Datenpaket wurde von Wikileaks weitergereicht. Vollständig oder nicht, auch hier ist diese Frage nicht sicher zu beantworten. Wenn die Dokumente nicht vollständig weitergegeben wurden, stellen sich erneut die Fragen: Warum? Und: Was wurde weggelassen?
Ein weiterer Schritt kann der von Redaktion zu Redakteur sein. Kurzum: Für ein datenjournalistisches Projekt sind diese Daten nur mit äußerster Vorsicht zu gebrauchen. Aber die Wikileaks-Veröffentlichungen waren auch nie wirklich ein datenjournalistisches Projekt. Aus den genannten drei Gründen:
Es gab zuerst die Daten, dann den Wunsch sie aufzubereiten. Bei den meisten datenjournalistischen Veröffentlichungen ist es anders herum: Es gibt eine Fragestellung und dazu werden Daten gesucht oder erhoben.
Das Projekt wurde nicht von Datenjournalisten betrieben. Diese waren vielmehr nur Unterstützer oder Assistenten.
Es ist unbekannt, wie vollständig, sprich wie aussagekräftig, die Daten sind.
Dass es sich von Grund auf um Datenjournalismus handelt, ist aber auch schon aus einem anderen Grund heraus unlogisch: Streng genommen handelt es sich nämlich nur um Daten in einem weitgefassten Sinn. Eigentlich geht es um die Geschichten in den geleakten Dokumenten: Und das sind eher Textstücke, persönliche Einschätzungen von Botschaftern oder Soldaten.
Aber: Die Wikileaks-Veröffentlichungen haben die Nutzer, auch in Deutschland, an interaktive Grafiken und datenjournalistische Auswertungen gewöhnt. Sie werden auch in Zukunft danach verlangen. Den Redaktionen wurde vor Augen geführt, wie wertvoll das entsprechende Know-How sein kann. Aus diesen Gründen waren die Wikileaks-Veröffentlichungen 2010 womöglich wirklich der Durchbruch für den Datenjournalismus in Deutschland und das, obwohl sie wichtige Elemente des Datenjournalismus nicht beachteten.
Der Durchbruch war somit ein äußerst ironischer Durchbruch.
Der Artikel entstand im Rahmen eines Seminars zu Daten-Journalimus an der Hochschule Darmstadt. Dozent Christian Kreutz.
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Diverse Links zu “Open Data” und “Infografik”
august 2011 by matthiasfromm
Wikileaks und Medienaktivismus
may 2011 by matthiasfromm
Felix Stalder hat im Online-Journal kommunikation@gesellschaft einen Artikel über “WikiLeaks: Neue Dimensionen des Medienaktivismus” veröffentlicht. (PDF)
Mit WikiLeaks hat der Medienaktivismus eine neue Dimension erreicht. WikiLeaks versteht die neuen sozio-technischen Möglichkeiten und institutionellen Widersprüche, die die gegenwärtige Phase der Entwicklung der Netzwerkgesellschaft kennzeichnen, für sein Projekt nutzbar zu machen. Politisch bleibt das Projekt allerdings schwer kategorisierbar, da es gleichzeitig eine markt-libertäre und eine institutionskritische Haltung vertritt, gleichermassen staatliche wie privat-wirtschaftliche Akteure mit einschliesst. Solche Widersprüche können ausgehalten werden, denn anders als traditionelle aktivistische Medien versucht WikiLeaks sein Material nicht in einen erklärenden Zusammenhang zu stellen, sondern überlässt die Interpetation anderen.
(via)
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Mit WikiLeaks hat der Medienaktivismus eine neue Dimension erreicht. WikiLeaks versteht die neuen sozio-technischen Möglichkeiten und institutionellen Widersprüche, die die gegenwärtige Phase der Entwicklung der Netzwerkgesellschaft kennzeichnen, für sein Projekt nutzbar zu machen. Politisch bleibt das Projekt allerdings schwer kategorisierbar, da es gleichzeitig eine markt-libertäre und eine institutionskritische Haltung vertritt, gleichermassen staatliche wie privat-wirtschaftliche Akteure mit einschliesst. Solche Widersprüche können ausgehalten werden, denn anders als traditionelle aktivistische Medien versucht WikiLeaks sein Material nicht in einen erklärenden Zusammenhang zu stellen, sondern überlässt die Interpetation anderen.
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may 2011 by matthiasfromm
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